Internetbasierte Beobachtung des
Venustransits 2004 an der BTU Cottbus

Frank Merting
Matthias Sanderbeck


1 Einleitung

Es ist schon eine Tradition, dass der Lehrstuhl Bauinformatik mit Einrichtungen der Stadt Cottbus zusammenarbeitet. So bieten wir gemeinsam mit der Volkshochschule Cottbus Kurse zur Nutzung des Internets an. Zum anderen wurde für das Planetarium Cottbus der Internetauftritt mit Datenbankanbindung organisiert und eingerichtet.
Der Venustransit im Jahr 2004 bot eine Chance, die Möglichkeiten des Internets für eine Live-Präsentation zu nutzen, da er nur in unseren Längengraden der Erde vollständig sichtbar war.

Bild11
Bild1: Sichtbarkeit des Transits am 8.Juni, im hellen Gebiet war der Transit vollständig sichtbar

Anlass genug, diesen Vorgang an der BTU mit einem Spiegelteleskop und angeschlossener Webcam aufzunehmen und die Bilder auf den Internetseiten des Planetariums zu präsentieren.
Diese Live-Übertragung wurde auf den Planetariumsseiten angekündigt und auch auf den extra für dieses Ereignis geschaffenen Internetseiten (z.B. www.venustransit.de) von den dortigen Webmastern verlinkt.
Venustransits sind aufgrund der unterschiedlichen Bahnneigung von Erde und Venus sehr seltene kosmische Ereignisse. So war der letzte Transit im Jahr 1882 zu beobachten. In den letzen Jahrhunderten waren sie für Wissenschaftler und Astronomen Anlass, die Entfernung von der Erde zur Sonne über Parallaxenbeziehungen zu bestimmen.
Im Jahre 1769 war unter anderem James Cook mit dem Astronom Charles Green und dem Segelschiff Endeavour bis nach Tahiti gereist. Die Messergebnisse waren aber noch zu ungenau wegen des so genannten  Tropfeneffektes, der auch an den 75 anderen Beobachtungspunkten auf der Erde die exakte Zeitbestimmung des Ein- und Austritts der Venus vor die Sonne erschwerte.

Bild12
Bild 2: Zeichnung von James Cook zum Tropfeneffekt


2  Technische Umsetzung

2.1  Voraussetzungen

Die Aufnahmen erfolgten mit einem Spiegelteleskop, wobei im Brennpunkt des Spiegels die Webcam platziert wurde. Webcams mit einem CCD-Chip sind hierfür prädestiniert, da sie eine hohe Lichtempfindlichkeit haben. In unserem Fall kam die Philips ToUcam PCVC 740K mit einer Auflösung von 640x480 zum Einsatz. Die Eintrittsöffnung des Teleskops wurde mit einer speziellen Astro-Solarfolie abgedeckt, die zu 99,99% das Sonnenlicht reflektiert.
Da der CCD-Chip der Webcam nur etwa 4x3 mm groß ist, ergab sich mit der Brennweite des Spiegelteleskops von 1300 mm auch nur ein Ausschnitt der Sonne, was aber in unserem Fall nicht hinderlich war.

Bild213
Bild 3: Abbildungsgrösse des CCD-Chip(rot) im Verhältnis zur Sonne

Die Webcam wurde an ein Notebook angeschlossen, welches an der BTU über ein kabelloses Netzwerk direkt mit dem Internet verbunden war.

Bild214 Bild215
Bild 4: Komplettes System mit Teleskop,
Webcam und Notebook
Bild 5: Notebook mit Sonnenschutz



2.2 Software

Die Webcam wurde mit einer speziellen Software angesteuert. Diese ermöglichte sowohl manuelle als auch zeitgesteuerte Aufnahmen. Die Bilder wurden automatisch mit einem Zeitstempel versehen und auf die Planetariumsseite im JPEG-Format geladen. Lokal wurden Kopien in einer Galerie gespeichert. Zum Einsatz kam die Software „ConquerCam“.

2.3 Darstellung der Live-Bilder

Da sich die Bilder in kurzen Abständen ändern, wurde auf ein Java-Applet von Webcamworld.com zurückgegriffen. Das Applet aktualisierte alle 30 Sekunden das Livebild im Browser, wenn auf dem Server ein Neues vorhanden war.
Auszug aus der WebSeite mit der Einbindung des Applets in die HTML-Seite live.html

bild23



3 Ergebnisse

3.1 Zugriffsstatistik

Die Webseite wurde zwischen 7.15 Uhr und 13.25 Uhr von 16219 verschiedenen Rechnern (orangefarbener Balken) aus 59 Ländern besucht!

bild316
Bild 6: Grafische Darstellung der Zugriffe auf den Server


3.2 Beobachtungen

Gleich der Beginn war spannend. Wie hat James Cook den Tropfeneffekt gesehen?
Interessanterweise war er beim Eintritt wunderbar zu beobachten. Das gleiche Schauspiel sollte sich beim Austritt wiederholen, aber es war schon ein wenig Enttäuschung dabei, denn diesmal konnte man ihn nur schwach vermuten. Andere hatten bei ihren Beobachtungen (siehe auch www.wdr.de) gar keinen Tropfeneffekt festgestellt. So bleibt die Ursache weiter unklar und die Astronomen können weiter rätseln. Es kommen sicherlich auch atmosphärische Einflüsse für diese Tropfenbildung in Frage.
Hier eine Auswahl von den 473 Bildern während des Transits

Bild327 Bild328
Bild 7: Venus mit Tropfeneffekt Bild 8: Venus mittendrin
bild3210 Bild329
Bild 9: Tropfeneffekt ist zu ahnen Bild 10: Abschied
bild3211
Bild 11: Analoge Aufnahme mit einer Spiegelreflexkamera


3.3 Impressionen aus dem Umfeld

Der Beobachtungsort war auf der Terrasse vor dem Lehrgebäude 1C an der Walther-Pauer-Strasse auf dem Unigelände.

Bild1 Bild2
Bild3 Bild4
Bild5 Bild6